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International

Vorrundenfazit Teil III: 17 Tore für die Ewigkeit

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von Ellen Hanisch


Gruppe A: Elfmeter bis zum Achtelfinale

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Erneut stand Wendie Renard im Mittelpunkt des Spiels. Nach ihren zwei Toren im ersten Gruppenspiel und einem Eigentor im zweiten, schoss sie gegen Nigeria einen Elfmeter neben das Tor. Allerdings hatte sich Chiamaka Nnadozie im Tor der Super Falcons von der Linie bewegt und Renard nutzte ihre zweite Chance. Es blieb das einzige Tor eines hart umkämpften Spiels, das die Gastgeberinnen von der ersten Minute an bestimmten.

Während Frankreich mit der Maximalpunktzahl als Gruppenerster im Achtelfinale auf Brasilien trifft, hat es Nigeria in letzter Sekunde als einer der besten Gruppendritten geschafft. Die Super Falcons werden der Achtelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft sein.

Norwegen erspielte sich mit einem 2:1 gegen Südkorea den zweiten Platz der Gruppe A und wird im Achtelfinale gegen Australien antreten. Bereits in der 4. Minute verwandelte Caro Hansen einen Foulelfmeter. Später wurde sie selbst im Strafraum gefoult und musste verletzt ausgewechselt werden. Der fällige Elfmeter brachte die Norwegerinnen 2:0 in Führung. Südkorea gab nicht auf und warf alles nach vorne. Zu mehr als einem brilliant herausgespielten Anschlusstreffer durch Yeo Min-ji reichte es aber nicht. Chelsea-Star Ji So-yun und ihre Mitspielerinnen sind als Gruppenletzter mit 0 Punkten ausgeschieden.

Gruppe B: The A-Team

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Während Oliver Bierhoff vor dem letzten deutschen Gruppenspiel gegen Südafrika ganz nebenbei sein in den 70er-Jahren steckengebliebenes Weltbild präsentierte, zeigte die A-Nationalmannschaft ihr bisher bestes Spiel dieser WM. Leupolz, Däbritz, Popp, Magull – 4 verschiedene Torschützinnen, zwei Standards und zwei Tore aus dem Spiel heraus. Damit ist Deutschland mit 9 Punkten souveräner Gruppensieger der Gruppe B. Souveräner als in den vorherigen Spielen war auch die Defensivleistung. Südafrika drehte zum Ende der Partie auf und hatte einige Torchancen. Am Ende bedeutete die dritte Niederlage im dritten Spiel das aber das WM-Aus für Banyana Banyana.

Der Gegner Deutschlands im Achtelfinale ist mit Nigeria eine harte, aber machbare Aufgabe.

Es war das erwartete Ergebnis. Spanien und China ließen wie in ihren bisherigen beiden WM-Spielen etliche Torchancen liegen und trennten sich 0:0. Mit Peng Shimeng wurde erneut eine Torhüterin zur Spielerin des Spiels gewählt. Spanien hatte sehr viel mehr vom Spiel als China, scheiterte aber reihenweise an Peng Shimeng. Beide Mannschaften sind durch das Unentschieden im Achtelfinale. Während Spanien gegen den WM-Favoriten aus den USA antreten muss, trifft China auf das Überraschungsteam Italien.

Gruppe C: Mar-Tor!

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Schlechte Nachricht für Frankreich: Mit jedem absolvierten WM-Spiel nähert sich Marta wieder ihrer Normalform an. Gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Italienerinnen schoss sie die Seleção als bester Gruppendritter ins Achtelfinale. Vom Elfmeterpunkt schoss Marta ihr 17. WM-Tor – niemand hat insgesamt mehr Tore bei Weltmeisterschaften erzielt. Uneigennützig widmete sie ihren Rekord nach dem Spiel allen Frauen und forderte Gleichberechtigung in jedem gesellschaftlichen Bereich.

Brasilien trifft im Achtelfinale auf Gastgeber Frankreich, Italien auf China.

Sam Kerr. Es braucht eine Weltmeisterschaft, um sie in Europa bekannt zu machen - in Australien und den USA ist sie längst ein Superstar. Mit ihren 4 Toren gegen Jamaika beförderte Kerr die Matildas im Alleingang ins WM-Achtelfinale. Auf der Gegenseite schrieb Havana Solaun Geschichte. Die 26-Jährige schoss das erste WM-Tor der Reggea Girlz überhaupt.

Sam Kerr und Australien werden es im Achtelfinale mit den starken Norwegerinnen zu tun bekommen. Die Reggea Girlz sind trotz des Ausscheidens in der Gruppenphase die Sympathieträgerinnen dieser Weltmeisterschaft. Hoffentlich macht der heimische Verband etwas daraus.

Gruppe D: VAR-Tor!

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Mit einer starken Leistung haben sich die Lionesses den ersten Platz der Gruppe D gesichert und erstmals in ihrer Geschichte alle drei Gruppenspiele gewonnen. Gegen Japan war es zweimal Ellen White, die es schaffte, Ayaka Yamashita im japanischen Tor zu überwinden. Beide Tore waren fein herausgespielt und ließen Yamashita keine Chance. Auch Englands Torwärtin Karen Bardsley zeigte Glanzparaden und hielt ihren Kasten sauber.

Japan trifft als Gruppenzweiter auf die Niederlande. Die Engländerinnen werden es mit Kamerun aufnehmen.

Manchmal liegen Glück und Verzweiflung so nah beieinander, dass sie in 90 Minuten passen. Das Spiel Schottland gegen Argentinien geht als das erste Spiel in die WM-Geschichte ein, in dem ein Team 3 Tore zurückliegt und das Spiel noch zu einem Unentschieden dreht. In einem packenden Duell um Platz 3 der Gruppe D ging Schottland durch Tore von Kim Little, Jen Beattie und Erin Cuthbert in Führung. Innerhalb von 5 Minuten kassierten die Schottinnen ein Tor durch Milagros Menéndez und hatten Pech, als ihre Torwärtin Lee Alexander den Ball ins eigene Tor lenkte. In der 94. Minute gab es einen Foulelfmeter für Argentinien, der aufgrund einer umstrittenen Regeländerung bzw. deren Auslegung wiederholt werden musste. Beim zweiten Versuch gelang Florencia Bonsegundo dann der Ausgleich.

Ein Sieg Schottlands hätte den Einzug als einer der besten Gruppendritten ins Achtelfinale bedeutet. Argentinien hat mit 2 Punkten besser abgeschnitten als viele vor dem Turnier erwartet haben.

Gruppe E: Heimspiel

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Wenn die Niederlande spielen, machen ihre Fans aus jedem Spiel ein Heimspiel. So auch beim Duell um den Gruppensieg gegen Kanada. Angepeitscht von Oranje-Rufen gingen die Niederländerinnen zweimal in Führung. Kanada gelang in einem hochklassigen Spiel nur der zwischenzeitliche Ausgleich durch Spielführerin Christine Sinclair. Sinclair konnte ihr 182. Tor für Kanada erzielen und ist nur noch 3 Treffer vom Weltrekord für Länderspieltore im Fußball entfernt.

Mit Japan treffen die Niederländerinnen bereits im Achtelfinale auf den Finalisten des vorherigen Turniers. Kanada hat mit Schweden eine schwere Aufgabe vor sich.

Es liefen die letzten Sekunden der Nachspielzeit, als die kamerunische Stürmerin Ajara Nchout auf das neuseeländische Tor zulief, Ria Percival ausspielte und den Ball rechts unten zum alles entscheidenden 2:1 in die Maschen setzte. Nchout ging in einer Traube aus Mit- und Ersatzspielerinnen unter – Kamerun ist zum zweiten Mal seit 2015 in einem WM-Achtelfinale. Gegen Neuseeland gerieten die unzähmbaren Löwinnen nur durch eigenes Verschulden ins Straucheln. Die 1:0-Führung, ebenfalls durch Ajara Nchout, wurde durch ein Eigentor egalisiert. Das Last-Minute-Tor sicherte Kamerun ein Achtelfinalspiel gegen England. Neuseeland ist mit drei Niederlagen aus dem Turnier ausgeschieden.

Gruppe F: Torhungrige Überlegenheit

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Bereits in der 3. Minute musste Schwedens Hedvig Lindahl im Topspiel der Gruppe F gegen die USA hinter sich greifen. Nach einer Ecke von Megan Rapinoe rauschte Lindsey Horan heran und drückte den Ball zu ihrem zweiten WM-Treffer über die Linie. Mannschafts- und Vereinskollegin Tobin Heath lief zur Hochform auf. Sie brachte die gesamte rechte Seite der Schwedinnen zur Verzweiflung und schoss ein schlitzohriges Tor aus spitzem Winkel. Der Treffer wurde allerdings als Eigentor gewertet. Schweden lieferte dem Weltmeister ein packendes Duell, konnte aber kein Tor erzielen.

Als Gruppenerster mit den meisten jemals in der Vorrunde erzielten Toren sind die USA im Achtelfinale ein kaum zu schlagender Gegner für Spanien. Schweden wird als Gruppenzweiter auf Kanada treffen.

Im Duell der Außenseiter der Gruppe F setzten sich die favorisierten Chileninnen mit einem Tor zu wenig durch. Das 2:0 reichte nicht, um das Achtelfinale zu erreichen. Besonders bitter: In der 85. Minute schoss Francisca Lara einen Elfmeter an die Latte.

La Roja beendet ihre erste Weltmeisterschaft mit guten 3 Punkten. Von Thailand bleibt besonders der erste WM-Treffer des Landes überhaupt in schöner Erinnerung.


Ellen Hanisch