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Vorrundenfazit Teil II: WM der Torhüterinnen

Fussball Thesen WM Vorrunde 2

von Ellen Hanisch


Sie sind das Narrativ dieser Weltmeisterschaft – die Torhüterinnen. Mit Chiles Christiane Endler und Argentiniens Vanina Correa haben gleich zwei Torwärtinnen die Trophäe als beste Spielerin des Spiels erhalten. Dabei sollten die Tore doch bitte sehr extra für Frauen verkleinert werden. Diese Maßnahme wurde im Zuge der WM von mehr oder minder qualifizierter Stelle ernsthaft vorgeschlagen. Endler, Correa, Schneider und ihre Kolleginnen stehen darüber und machen einfach ihren Job.

Gruppe A: Ins eigene Netz

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Es war ein offener Schlagabtausch. Nigeria und Südkorea schenkten sich nichts im Kampf um ihre ersten drei Punkte in Gruppe A. Ein Eigentor von Kim Do-yeon brachte die Super Falcons Mitte der ersten Halbzeit in Führung. Zunächst sah es zudem auch noch so aus, als sei Desire Oparanozie mit der Hand am Ball gewesen. Die minutenlange VAR-Überprüfung ergab jedoch: Alles in Ordnung. Mit dem 2:0 durch Asisat Oshoala machte Nigeria den Deckel auf eine unterhaltsame Partie mit zahlreichen Torchancen. Südkoreas Chancen aufs Achtelfinale sind nach diesem Spiel minimal. Nigeria darf hoffen.

Was gibt es schlimmeres, als während einer Heim-WM ein Eigentor zu schießen? Mit Wendie Renard passierte dies im zweiten Gruppenspiel gegen Norwegen der besten Innenverteidigerin der Welt. Doch Frankreich kam zurück. Durch die starke Valérie Gauvin waren Les Bleues direkt nach Wiederanpfiff in Führung gegangen. Norwegen war ein Gegner auf Augenhöhe. Nach dem Eigentor stellte Eugénie Le Sommer ihre Nervenstärke unter Beweis und verwandelte einen Foulelfmeter. Das hochklassige Spiel blieb bis zum Abpfiff offen, Martin Sjögrens Team konnte aber nicht mehr ausgleichen.

Gruppe B: Jugendfussbühl

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Ohne die Spielmacherin gegen die spielstärkste Mannschaft der Gruppe B – die deutsche Nationalmannschaft hatte schon einfachere Aufgaben. Dzsenifer Marozsán konnte nur zusehen wie sich ihre Mitspielerinnen eine Halbzeit lang sehr schwer gegen Spanien taten. Trotzdem ging Deutschland durch ein schön herausgespieltes Abstaubertor von Sara Däbritz noch vor dem Pausenpfiff in Führung. Durch die Einwechslung der erst 18-jährigen Klara Bühl und einer taktischen Umstellung stabilisierte sich die Abwehr und Deutschland kreierte mehr Torchancen. Die Spanierinnen kontrollierten das Spiel und zeigten ihr gewohntes Kurzpassspiel. Allerdings konnten sie ihre zahlreichen Torchancen erneut nicht nutzen. Das 1:0 bedeutet den sicheren Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Achtelfinale.

In einem einseitigen, aber äußerst fairen Spiel gegen Südafrika sicherte sich China die ersten 3 Punkte des Turniers. Li Ying schoss das einzige Tor. Ähnlich wie gegen Deutschland ließen die Stahlrosen etliche Chancen liegen. WM-Neuling Südafrika konnte lange Zeit dagegenhalten, verbesserte sich in der zweiten Halbzeit, war aber am Ende chancenlos. Mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Spanien kann China ins Achtelfinale einziehen.

Gruppe C: Marta die Grosse

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Marta ist ein Phänomen. Ihr Elfmetertreffer gegen Australien macht sie zur ersten Spielerin, die bei 5 Weltmeisterschaften ein Tor geschossen hat. Richtig über ihren Rekord freuen konnte sie sich nach dem Spiel aber wahrscheinlich nicht. Denn Brasilien gab leichtfertig eine 2:0-Führung aus der Hand. Christiane konnte noch ihr viertes Tor des Turniers erzielen, bevor den Matildas kurz vor der Pause durch Caitlin Foord der Anschlusstreffer gelang. Danach häuften sich auf brasilianischer Seite die Fehler. Claire Logarzo und Sam Kerr nutzten dies, um das Spiel zu drehen und Australiens Chance auf den Einzug in die nächste Runde zu wahren.

Italien ist eine der Überraschungsmannschaften dieser Weltmeisterschaft. Nach dem sensationellen Sieg gegen schwache Australierinnen im ersten Gruppenspiel machten Milena Bertolinis Frauen gegen Jamaika den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale klar. Allen voran: Christiana Girelli. Ihren Foulelfmeter musste sie gleich zweimal schießen, da Jamaikas erneut überragende Sydney Schneider die Linie verlassen hatte. Nervenstark verwandelte Girelli und traf im weiteren Spielverlauf noch zweimal – Hattrick. Am Ende stand es 5:0 für Italien, die nun Gruppe C anführen.

Gruppe D: Correa, Correa, Correa

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Japan hatte etwas gutzumachen. Das torlose Unentschieden gegen Argentinien im ersten Spiel der Gruppe D war der Grottenkick der ersten WM-Woche. Entsprechend engagiert trat die Nadeshiko gegen Schottland an und ging durch Ex-Bayernspielerin Mana Iwabuchi in Führung. Durch einen verwandelten Foulelfmeter konnten die Japanerinnen auf 2:0 erhöhen. Schottland schaffte durch ein Traumtor Lana Clellands nur noch den Ausgleich. Shelley Kerrs Team hat trotz zweier Niederlagen immer noch eine Chance auf das Achtelfinale.

Mit Vanina Correa ist erneut eine Spielerin der Albiceleste zur Spielerin des Spiels gekürt worden. Glanzparaden und ein gehaltener Elfmeter sorgten für Jubel bei Teamkameradinnen und Fans und für Verzweiflung bei Gegner England. Erst in der zweiten Halbzeit konnte Jodie Taylor Correa überwinden und schoss die Engländerinnen in die nächste Runde.

Gruppe E: Purzelbaum ins Glück

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Schön geht anders. Aber manchmal ist es wichtiger, die Tore zu machen, statt attraktiven Fußball zu spielen. 15.000 mitgereiste Oranje-Fans verwandelten Valenciennes in eine leuchtend orange Fanmeile und trugen ihre Mannschaft zum Sieg. Der Europameister aus den Niederlanden fand gegen ein überhart spielendes Kamerun nicht ins Spiel. Vivianne Miedema juckte das wenig. Mit zwei Toren sorgte sie fast im Alleingang für den Sieg und trug sich nebenbei mit erst 22 Jahren als neue niederländische Rekordtorschützin in die Geschichtsbücher ein.

Die Welt wartet weiterhin auf Tore von Christine Sinclair. Und Sinclair tut weiterhin das, was Spieler*innen im Mannschaftssport Fußball so tun: Sich über Tore von Mitspieler*innen freuen. Gegen Neuseeland waren es Jessie Fleming und Nichelle Prince, die in der zweiten Halbzeit trafen und Kanada ins Achtelfinale beförderten. Neuseeland konnte gegen überlegene Kanadierinnen nicht noch einmal so aufspielen wie gegen die Niederlande. Außenverteidigerin CJ Bott brach sich zudem auch noch den Arm.

Gruppe F: Endstation Endler

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Über das 13:0 der USA gegen Thailand wurde viel geschrieben. Hoffentlich wird über das erste Tor Thailands bei einer Fußball-Weltmeisterschaft genauso viel berichtet. In der 91. Minute hämmerte Kapitänin Kanjana Sungngoen den Ball in die Maschen. Sogar die schwedischen Fans freuten sich und bejubelten den Treffer. Mit der Leistung ihrer eigenen Mannschaft und dem Erreichen des Achtelfinals konnten sie mehr als zufrieden sein. Fünf schwedische Tore taten ihr Übriges.

Christiane Endler stellte mit ihrer Leistung alle in den Schatten. Selbst Carli Lloyd, die zwei Tore gegen sie erzielen konnte. Besonders in der Schlussphase des Spiels Chile gegen die USA hielt Endler alles, was zu halten war und wurde zur Spielerin des Spiels gekürt. Die USA sind nach einer weiteren makellosen Leistung bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Jill Ellis rotierte viel und schonte Spielerinnen für das letzte Gruppenspiel gegen Schweden.


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Ellen Hanisch