Fussball Thesen

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Packende Langeweile

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von Ellen Hanisch


Bayern München gegen den FFC Frankfurt. Dieses Duell gehörte in der vergangenen Saison zu den packendsten – vor allem das Pokalviertelfinale war an Spannung kaum zu überbieten. Zwar gewann Bayern alle 3 Begegnungen, Frankfurt war aber ein Gegner auf Augenhöhe.

In ihren Auftaktspielen letzte Woche haben beide Teams einen guten Eindruck hinterlassen. Die Neuzugänge wirkten gut integriert. Mit einem Doppelpack gegen Freiburg überragte vor allen Dingen Bayerns Dallmann.

Und trotzdem müssen wir uns das Topspiel des 2. Spieltags eigentlich gar nicht ansehen.

Diskurs der Langeweile

Jedenfalls nicht, wenn es nach dem überwiegenden Tenor der Vorberichterstattung zum Saisonstart geht. Außer Wolfsburg und Bayern, von denen erwartet wird, dass sie die Meisterschaft unter sich ausmachen, scheint es in der Liga keine interessanten Teams zu geben. Bayern hat heute Abend also quasi eine Siegesgarantie. Erfreuliche Ausnahmen im Diskurs der Langeweile – Der Spiegel und Womensoccer.

Wie viele WM-begeisterte Neuzuschauer*innen diese pessimistische Sichtweise auf die Flyeralarm-Bundesliga wohl von ihrem allerersten Stadionbesuch abgehalten hat? In Freiburg wussten es die Menschen jedenfalls besser. Vor dem Spiel gegen Bayern reichte die Schlange quer durch das Waldstück, welches das Möslestadion idyllisch vom Rest der idyllischen Stadt abgrenzt. Auch in Frankfurt wurde die 2000er-Marke geknackt – Ultras inklusive.

Das Auge liest mit

Schon während der Weltmeisterschaft mussten die zugeschalteten deutschen Expert*innen die Langeweile-Frage beantworten – aufgezogen an der ewigen Wolfsburg-oder-Bayern-Meisterschaftsfrage.

Während des Halbfinals Niederlande gegen Schweden traf Ralf Kellermann, sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg, den Nagel auf den Kopf:

"Es geht darum, wie der Frauenfußball präsentiert wird."

Wie hilfreich sind Artikel, die berechtigte Kritik an vielem üben, das im deutschen Frauenfußball nicht rund läuft, aber auslassen, was sich außer Wolfsburg und Bayern noch alles in der Liga abspielt?

Wird der Abstiegskampf ähnlich dramatisch wie letzte Saison? Schaffen die Sympathieträgerinnen des USV Jena den Klassenerhalt? Können Essen, Freiburg oder gar Hoffenheim am Champions-League-Platz kratzen? Wie schlägt sich Rekordmeister Frankfurt?

Alles spannende Fragen, die ruhig gestellt werden dürfen.

Vielfältige Unvorhersehbarkeit

In diesem Sinne sind auch die durch das Vorauswahlrecht der ARD zustandegekommenden Spielansetzungen für das Eurosport-Topspiel am Freitagabend ein Grund zur Freude. Die Liga wird in ihrer ganzen Vielfalt gezeigt – Abstiegskampf inklusive.

Warum also wird Eurosport heute Abend trotz der bereits feststehenden Siegerinnen aus München wieder eine gute Quote einfahren? Genau aus diesem Grund. Du weißt nie wie ein Fußballspiel ausgeht. 90 Prozent der Zuschauer*innen mag auf einen hohen Sieg von Jens Scheuers Team setzen. Nur – sie wissen eben nicht, ob sie Recht haben.

Die Langeweile der Flyeralarm-Bundesliga ist diese Saison also wieder so packend wie nie!


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Ellen Hanisch